Polizei feuert Warnschuss bei Anti-NPD-Demo ab
Was als friedlicher Protest begann, endete in Randale: Bei Protesten gegen einen NPD-Aufmarsch schleuderten linke Demonstranten Steine und Flaschen. Beamte fühlten sich “massiv angegriffen”. Die Polizei feuerte einen oder zwei Warnschüsse ab.
Heftige Auseinandersetzungen in Hamburg: Bei einer Kundgebung der rechtsextremen NPD in Hamburg ist es am Freitagabend zu Ausschreitungen zwischen linken Gegendemonstranten und Polizei gekommen. Zuvor hatten Hamburger Bürger friedlich gegen die Neonazis protestiert.
Doch im Laufe des Abends eskalierte die Situation. Sowohl Polizisten als auch Demonstranten wurden verletzt. Zwölf Beamte seien verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher, es habe “teilweise massive Angriffe” gegeben. Die Ordnungskräfte gingen mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern gegen die vorwiegend jugendlichen Randalierer vor.
Auslöser der Proteste und der späteren Krawalle war eine NPD-Veranstaltung im Stadtteil St. Georg, die der Nazi-Anwalt Jürgen Rieger organisiert hatte. Knapp 100 Neonazis marschierten auf. Anhänger schwenkten NPD-Fahnen.
Ein “Hamburger Bündnis gegen Rechts” protestierte zunächst friedlich gegen die Kundgebung der Rechtsextremen. Mehr als 1400 Beamten waren im Einsatz, um ein Zusammentreffen beider Lager zu verhindern. Polizei und gewaltbereite Linken lieferten sich kleinere Rangeleien. Gegendemonstranten warfen Flaschen, Feuerwerkskörper und Rauchbomben. Um 21.30 Uhr wurde die NPD-Demo beendet, als die Anhänger gerade die Nationalhymne sangen. Sie wurden von der Polizei abgeschirmt und zur S-Bahn geleitet.
Brennende Mülltonnen und Barrikaden
Danach verschärfte sich die Situation, die Polizei drängte die Demonstranten zurück. Ein Streifenwagen wurde laut Behörden mit Steinen und Gehwegplatten angegriffen. “Beamte haben bei einem Angriff auf einen Streifenwagen ein oder zwei Warnschüsse abgegeben”, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer.
Randalierer zündeten Mülltonnen und Barrikaden an und versuchten, an einer Tankstelle Feuer zu legen. Vorbeifahrende Autos wurden mit Flaschen beworfen. Die Polizei nahm eine zunächst noch unbekannte Anzahl Gegendemonstranten fest und in Gewahrsam.
Die Bundespolizei, die mit 360 Beamten und einem Hubschrauber im Einsatz war, sperrte für eine halbe Stunde den S-Bahn- und Fernverkehr am Berliner Tor. Dort waren Gegendemonstranten auf die Gleise vorgedrungen.
Holocaust-Überlebende fordert NPD-Verbot
Mit einem Protestzug durch die Innenstadt hatten zuvor bis zu 2700 Teilnehmer ein Signal gegen Rechtsextremismus gesetzt. Parteien, Gewerkschaften, Organisationen und Einzelpersonen hatten unter dem Motto “Gesicht zeigen” zu der Demonstration aufgerufen.
Die Holocaust-Überlebende Steffi Wittenberg, die zahlreiche Angehörige im Holocaust verloren hatte, forderte unter dem Beifall Hunderter Kundgebungsteilnehmer, endlich ein Verbot der NPD auszusprechen. 70 Jahre nach dem Holocaust und dem von den Nazis entfachten Krieg mit 55 Millionen Toten sei es perfide, dass Rechtsextremisten ungestraft ihr Gedankengut äußern dürften, sagte die 83-Jährige.
Immer wieder prallen linke Demonstranten und Polizei in Hamburg bei Straßenschlachten aufeinander. Mit dem Fest im Hamburger Schanzenviertel am Samstag wollen Anwohner und linke Gruppierungen gegen die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Härte demonstrieren, mit der die Polizei nach einem ähnlichen Fest Anfang Juli gegen Ausschreitungen von etwa Tausend linksautonomen Randalierern vorgegangen war. Auch diesmal stellt sich die Polizei bei Einbruch der Dunkelheit auf erneute Krawalle ein. Die Sicherheitskräfte aus dem gesamten Bundesgebiet sind das ganze Wochenende im Einsatz.
Quelle: Spiegel-online vom 11.09.2009
Verweis: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,648542,00.html
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